Kinder: Moritz und Romy

Ich habe mich für eine Hausgeburt entschieden, weil ...
meine erste Geburt problemfrei verlief und ich daher das nötige Vertrauen in mich hatte (Hebamme Conny hätte mir das auch schon beim ersten Kind zugetraut - damals hatte ich ihr noch den Vogel gezeigt...).
Außerdem wollte ich beim zweiten Mal meine Hebamme(n) kennen. Im Krankenhaus kann man Glück mit der Hebamme haben - oder eben nicht. Wenn die Chemie nicht stimmt, wird die Geburt schwerer als sie sein müsste. Selbstbestimmtes Entbinden war mir beim zweiten Kind, da ich ungefähr wusste, was mich erwartet, immens wichtig. Und das war nur mit einer Hausgeburt möglich.

So verlief unsere Hausgeburt:
Am 24.08. abends gegen halb zehn ging es los, dass ich gemerkt habe, dass Mausi nun doch bald ausziehen will. Die Wehen kamen so im 10-15 Minuten Abstand. Nach einer Stunde habe ich mal bei meiner vermeintlichen Hebamme Steffi nachgefragt, wie die weitere Vorgehensweise sein kann. Ihr Tipp: erst mal versuchen, noch ein bisschen zu schlafen, da es scheinbar noch nicht akut ist - oder baden gehen. Und vorsichtshalber bei Andrea anrufen, da die beiden Dienst getauscht haben und Andrea zuständig ist. Also gut, nächste Nummer gewählt - gleiche Aussage erhalten (ist ja schon mal beruhigend, wenn sich die Hebammen einig sind :).

Also bin ich erst Mal gegen 12 Uhr ins Bett gegangen und habe versucht zu schlafen. Hat leider nicht wirklich geklappt; immer wieder 15-20 Minuten gedöst und dann wieder hochgeschreckt, da die Wehen doch gut wehtaten. Das habe ich bis drei mitgemacht, dann bin ich aufgestanden. Die Abstände lagen jetzt so bei 7 Minuten. Gegen 4 / halb 5 habe ich dann doch mal den Rat von Steffi und Andrea umgesetzt, und bin in die Badewanne gegangen. Entweder es wird besser oder es wird schlimmer (vielleicht hätte ich das schon eher machen sollen). Es wurde schlimmer und die Abstände sind auf 5 Minuten runter. Aber es war doch noch so früh - schon hatte ich ein schlechtes Gewissen, bei Andrea anzurufen. Okay, noch eine Wehe mit 5 Minuten-Abstand, dann rufe ich an… Nee, lieber noch eine - nur um sicher zu gehen…

Um halb sechs war es dann soweit, dass ich beherzt zum Handy gegriffen habe. Sie meinte, ich klänge immer noch recht entspannt, wolle sich aber, nachdem sie Ihre Hunde noch einmal in den Garten geschickt hat, sich auf den Weg machen. Gegen sechst bin ich dann langsam aus der Wanne gestiegen. Mittlerweile taten die Wehen heftig weh und ich hatte einiges zu tun, sie in der Hocke zu veratmen. So ging es dann noch eine halbe Stunde, bevor Andrea gegen 06:30 Uhr eintraf. Sie wollte erst mal CTG schreiben, aber da sie merkte, dass die Wehen schon recht heftig waren, hat sie doch zuerst geschaut, wie weit ich schon war. MuMu 8 cm. Jetzt kann es schnell gehen war ihr Kommentar und sie hat erst mal Sabrina angeklingelt. Zwischendurch hat sie mit dem Dopton nach den Herztönen geschaut und wir haben festgestellt, dass Romy völlig entspannt war: 137 bpm…

Ab da ging alles super schnell. Andrea hat meinen Mann noch ein bisschen durch die Gegend geschickt ("da fehlen die Leintücher in Eurer Kiste") und hat alles für die Geburt und danach) vorbereitet (Leintuch und Unterlage auf's Sofa für hinterher und Wachstischdecke mit einer Decke und zwei Leintüchern auf den Boden und den Gebärhocker obendrauf für die Geburt). Zwischendurch hat sie mir ein bisschen den unteren Rücken während der Wehe massiert, was super gut getan hat. Mein Mann sollte noch einen starken Kaffee kochen - für den Dammschutz. Ich glaube, er ist gerade mal zum ersten Aufbrühen gekommen, als um 7.04 Uhr die Fruchtblase geplatzt ist. Andrea hat René angewiesen kurz aufzuwischen, damit sie keine nassen Füße bekommt und mich auf den Gebärhocker dirigiert, um zu schauen, wie weit ich bin. Dann hat sie nur noch schnell nach meinem Mann gerufen, er solle seinen Platz hinter mir einnehmen, der Kopf wäre schon fast da. Ein paar kurze Anweisungen für mich, wie ich pressen sollte und dann meinte sie, ich solle mal die Hände nach unten tun und mein Baby mit rausholen. Wie in Trance hab ich das dann auch gemacht und um 7.07 Uhr lag Romy bereits auf meinem Bauch. Es war so unbeschreiblich!!!! Zwischenzeitlich war auch Sabrina eingetroffen. Nachdem die Nabelschnur auspulsiert war, hat sich Sabrina hinter mich gesetzt, damit mein Mann die Nabelschnur durchschneiden konnte. Danach sind wir erstmal auf's Sofa umgezogen und haben ausgiebig eine Stunde lang geschmust, bevor die Sabrina dann die U1 durchgeführt hat. Ach ja, der Apgar-Wert lag direkt nach der Geburt und 10 Minuten später jeweils bei 10 - volle Punktzahl also:
Der große Bruder hat alles verschlafen. Als mein Mann ihn um halb neun geweckt hat und ihm erzählt hat, dass Romy jetzt da ist war sein Kommentar: "runter gehen, angucken!" Auch er war gleich Feuer und Flamme für seine kleine Schwester.

Würde ich mich wieder für eine Hausgeburt entscheiden?
Ja, ja und nochmals ja, unbedingt!!! Und ich bin unendlich traurig, wenn meine Tochter einmal nicht diese Wahl haben sollte (wenn sich bis dahin nicht Entscheidendes ändert!) Die Vorstellung, dass zukünftig Kinder nur noch in der vorbestimmten Krankenhausroutine vom Personal entbunden werden ist schrecklich (nichts gegen Klinikgeburten; für mich kam beim ersten Kind auch nur die Klinik in Frage, aber auch hier durfte glücklicherweise ich zusammen mit meinem Kind das Tempo vorgeben und auf all unsere Wünsche wurde eingegangen (Danke an Andrea Perl, denn das ist sicher nicht selbstverständlich in der Klinik).

Die Hausgeburt war einfach nur gut! Und sich anschließend in den eigenen vier Wänden zu erholen und das kleine Wesen daheim kennen lernen zu dürfen ist das Schönste was man erleben kann/darf.