Kinder: Emma, Tonia

Ich habe mich für eine Hausgeburt entschieden, weil ...
... ich dort entbinden will, wo ich mich am wohlsten fühle. Zu Hause kann ich überall hin - wo ich will und wie ich will. Zu Hause bin nur ich, mein Mann und meine Hebamme. Meine Erste Tochter ist im Geburtshaus geboren.

So verlief unsere Hausgeburt:
Manchmal kommt es anders wie man es gern möchte...
Ich hatte alles vorbereitet - für die Hausgeburt meiner zweiten Tochter. Heizung höher gedreht, Gebärdepool im Bad, leckeres Essen, Cola, Handtücher.... große Tochter über Nacht bei Oma. Ich wollt schließlich noch auf unser Neumarkter Altstadtfest gehen. Promt in dieser Nacht platzt die Fruchtblase. Ich freute mich so auf den lang ersehnten Moment meine zweite Tochter zu entbinden. Ich informierte meine Hebamme und lag mich wieder ins Bett, da ich noch keine Wehen hatte. Nach ca 2 Stunden setzten die Wehen regelmäßig und stark ein. Meine Hebamme Conny kam dann sofort zu uns heim. Da in unsrer Familie die zweiten Kinder immer sehr schnell kamen, wollten wir nicht länger warten. Wir frühstückten erstmal. (mit kleinen Unterbrechungen meinerseits...) Ich fühlte mich super wohl Zuhause! Ich nutze das ganze Haus. Wir merkten nach paar Stunden, das es leider nicht eine schnelle Geburt wird. Der Muttermund ging sehr langsam auf. Aber es war nicht schlimm. Ich war zu Haus, mein Mann war da, meine große Tochter war bei Oma gut untergebracht und ganz ehrlich ein Zeitgefühl hat man ja eh nicht. Ich machte mir nie Sorgen. Probiert hab ich auch alles. Treppen gestiegen, Hüftschwünge, Pool, Bett mit Kerzenschein liegend, knieend bis zur Hocke an der Reckstange im Türrahmen. Und nicht zu vergessen mit Conny auf den Geburtshocker! - Da konnte es einen gar nicht langweilig werden. Während den Wehen schrie ich sehr laut (wir warnten die Nachbarn vor) In den Pausen war ich irgendwie in einer anderen "Welt" - ruhig entspannt. Ich war auch immer motiviert und hatte viel Kraft. Conny war super. Sie hat mich einfach machen lassen. Laute Musik war auch eine große Hilfe! Ja, so ging es bis zum Abend. Dann fing mein rechtes Bein zum Schmerzen an. Während der Wehe ein stechender Schmerz bis in den kleinen Zeh. In der Wehenpause war es taub. Tonia drückte während der Wehe tiefer und dabei auf den Ischias Nerv. Sie schaffte es leider nicht sich richtig ins Becken einzudrehen. Als Conny mit den Händen versuchte nachzuhelfen bekamen wir von Tonia eindeutig ein Zeichen, dass sie es nicht mag und wir aufhören sollen. (Herztöne gingen runter- erholten sich aber gleich wieder) Der Beinschmerz wurde schlimmer und verunsicherte mich. Wir entschieden zusammen, dass wir mich ins Klinikum verlegen. =>Das zum Thema Sicherheit bei Hausgeburten. Keine Hebamme geht ein Risiko ein. Ich bin der Meinung, dass Mama und Hebamme spüren wenn es nicht "weitergeht" bzw. bei uns hat es auch Tonia uns eindeutig klargemacht. Und dann muß man es auch akzeptieren. Begeistert war ich natürlich nicht. Ehrlich gesagt war die Fahrt mit den Rettungswagen und die Ankunft in der Klinik das Schlimmste! Da hatte ich das erste Mal das Gefühl das ich nicht mehr wußte was ich machen soll- und da kam dann auch der Satz. "Ich will und kann nicht mehr!" Meine Hausgeburtshebamme Conny durfte nicht bleiben und ich schrie nur noch rum und schlug um mich. Und dann (paar Minuten nachdem meine Hebamme raus ging) kam der wichtigste Satz der Klinikhebamme: "Ich seh die schwarzen Haare" Ich werde diesen Satz nie vergessen. Wir hätten nie gedacht, dass es auf einmal so schnell gehen kann......Ich tastete sofort nach dem Kopf und es war ein wunderschönen Gefühl. Endlich kann ich Tonia spüren. Sofort war ich wieder hoch motiviert. Ich hatte noch 2 Presswehen und dann hielt ich sie endlich in den Armen und war überglücklich! Ich gab sie lange Zeit nicht her. Also schnelle Abnabelung und Kind weg zum Arzt ist uns zum Glück erspart geblieben - hätte ich auch nicht zugelassen. Die Klinikhebamme wußte ja, dass mein Wunsch Hausgeburt geplatzt ist und hatte viel Verständnis. Sie gab uns viel Zeit zu dritt. Tonia hatte in meinen Bauch ihre Hand am gegenüberliegenden Ohr. Die rasante, wackelige Fahrt mit den Rettungsdienst half, dass sie tiefer ins Becken reinrutschte. Die Hebamme konnte dann den Arm rüberdrehen und alles war gut! Tonia war mit stolzen 4000 g auf der Welt und ich konnte endlich mit Ihr kuscheln. Mein Ischias Nerv war stark abgedrückt worden - erholte sich aber jeden Tag mehr. Anfangs war ich schon immermal wieder enttäuscht, dass ich sie nicht zu Haus entbinden konnte.Ich machte mir auch Vorwürfe ob ich etwas falsch gemacht habe... Jetzt weiß ich das man bei einer Geburt als Mama nicht egoistisch sein darf. Sie gab uns eindeutig ein Zeichen das wir einen anderen Weg gehen müssen. Die Fahrt war das Beste für sie. Und in der Klinik hatten wir zum Glück eine schnelle Erlösung. Außerdem war ich ja fast die ganze Zeit zu Haus. Da es allen gut ging fuhren wir nach ca 2 Stunden wieder nach Hause und konnten dann zu dritt im eigenen Bett die Ersten Stunden völlig entspannt genießen.

Würde ich mich wieder für eine Hausgeburt entscheiden?
Ja sofort. Ich hatte immer Vertrauen - in mir und in meiner Hebamme. Beim nächsten Mal werden wir einfach selbst eine Spitztour mit dem Auto machen.